Sztrapacska74 / Pixabay
Whistleblower Wirtschaft

Die Energiewende und der drohende Strommangel

13. Juni 2019

In Deutschland darf man es ja nicht ansprechen, gilt man doch dann wahlweise als „Klimaleugner“, „Umweltzerstörer“ und „ewig Gestriger“. Deshalb glaube natürlich auch ich, dass die Energiewende ein voller Erfolg wird und so wie die Chefin der Grünen (angeblich?), dass Strom im Netz gespeichert wird und nie ausgeht.

In der Schweiz ist das zum Glück anders. Dort darf man die Probleme benennen, die sich durch die Umstellung auf erneuerbare Energie ergeben, ein Land, das schon heute sehr viel erneuerbare Energie nutzt:

  • „Eine lange, schwere ‘Strommangellage’ ist (…) die derzeit grösste Gefährdung für die Schweiz. Gemeint ist eine Unterversorgung von 30 Prozent im Winter – und zwar nicht wegen technischer Defekte, sondern einfach, weil nicht genug Strom produziert, importiert und bereitgestellt werden kann. In diesem Szenario käme es drei Monate lang mehrfach zu grossflächigen Abschaltungen, Stromrationierungen und vereinzelten lokalen Blackouts.“ – Stelter: Komisch, bei uns werden solche Risiken nicht thematisiert. Dabei sind wir doch viel radikaler in unserem Ausstieg.
  • „Die Folgen: immense Vermögensverluste und wirtschaftliche Einbussen, die Landesversorgung und die innere Sicherheit würden beeinträchtigt, es gäbe Verletzte, Kranke und Tote. Der Schaden betrüge mehr als 100 Milliarden Franken, wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz errechnet hat. Dies bei einer Wahrscheinlichkeit von einmal in 30 bis 100 Jahren.“ – Stelter: Skalieren wir auf Deutschland mit dem Faktor 10 wären das wieder mal 1000 Milliarden Euro. Ein weiteres Erbe der Politik der letzten zehn Jahre.
  • Bisher ist es aber vor allem bei Warnungen geblieben. Sie nehmen in der Schärfe zu, aber überzeugende Lösungen haben sie noch nicht gezeitigt. (…) Für Stresssituationen seien jedoch Vorkehrungen zu treffen. Gemeint ist der Fall, dass im Winter Beznau I und II stillstehen und aus Frankreich weniger und aus Italien nichts importiert werden kann. Oder der verschärfte Fall, dass alle Schweizer AKW ausfallen und Deutschland und Italien forciert aus der Kohle aussteigen. Weil die Versorgungssicherheit im Winter zunehmend auf Importe abstellt, werden solche Stresssituationen in Zukunft wahrscheinlicher.“ – Stelter: Und auch wir setzen ja heimlich auf den (bösen) Atom- und Kohlestrom aus den Nachbarländern.
  • „Pumpspeicherkraftwerke, Batterien und Technologien zur Umwandlung von Strom in lagerbare Brennstoffe zur Wiederverstromung sind zwar fähig, Spitzen und Flauten auszugleichen. Das Speichervolumen aller Stauseen könnte den Bedarf ein paar Wochen decken, reicht aber nicht aus, um Solarstrom für mehrere Monate vom Sommer in den Winter zu verlagern. Dazu müsste es um 30 Prozent erhöht werden.“ – Stelter: Und das stößt auch in der Schweiz auf immer mehr Widerstand.
  • „ In Deutschland gehen die letzten AKW 2022 vom Netz. Dadurch fallen insbesondere im Süden Grundlastkraftwerke weg. Sie werden substituiert durch Windkraft. Diese fällt jedoch vor allem im Norden an. Dabei ist unklar, wann die Leitungen in den Süden gebaut werden. Und wenn Deutschland beschleunigt aus der Kohle aussteigt, verschärfen sich die Lieferengpässe noch. Auch in Frankreich ist der Kraftwerkpark alt und der Ersatz unklar.“ – Stelter: Alle wollen importieren. Doch von wem? Ich denke, man sollte man die Versorger aus den Nachbarländern, wo man noch Strom herstellen darf, genauer unter die Lupe nehmen.
  • Die sichere Stromversorgung ist ein wichtiges öffentliches Gut, das etwas kosten darf. Die Schweiz muss sich ernsthaft überlegen, wie sie Produktionskapazität für den Winter hinbekommt. Ein AKW der neusten Generation, das den Strom sicher und weiterhin CO2-frei liefern würde, könnte eine Option sein (…) Technisch wären als Rückversicherung Gaskombikraftwerke mit CO2-Abscheidung naheliegend, die relativ rasch gebaut und schnell zugeschaltet werden können. Aber auch sie stossen auf Widerstand und sind nicht billig.“ – Stelter: Immerhin diskutiert man das in der Schweiz. Ich denke, wir setzen auf beschleunigte Deindustrialisierung. Dann brauchen wir ja nicht mehr so viel Strom.
  • „Am teuersten ist jedenfalls, jetzt nichts zu tun und sehenden Auges auf eine Mangellage zuzugehen. Dann müssen wir uns darauf einstellen, dass es im Winter zu ‘Lastabwürfen’ kommt. So nennt es die Branche, wenn sie den Konsumenten den Strom abdrehen muss.“ – Stelter: Ich denke, wenn es dann bei uns so weit ist, werden die Medien geschlossen betonen, wie wir durch unsere Enthaltsamkeit das Weltklima retten und die Parteien, die dafür stehen, erhalten noch mehr Zulauf. Das wird super.

Dr. Daniel Stelter – www.think-beyondtheobvious.com


Ad
Ad
Ad

Jetzt eintragen und News kostenlos per E-Mail erhalten:

Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad