Image by PINGNews - flickr.com - CC BY-SA 2.0
Wirtschaft

Vorboten der großen Krise: Die Presse freut sich über steigende Immobilienpreise

3. Juli 2019

Die Immobilienpreise in Deutschland steigen kräftig. Was die Presse als gute Nachricht verkauft, ist in Wahrheit der Vorbote einer neuen Immobilienkrise, wie der Vergleich mit Beispielen aus der Vergangenheit zeigt.

Wir alle erinnern uns noch an die Immobilienkrise in den USA 2008. Nachdem die Immobilienpreise jahrelang kein Halten kannten und in den Himmel gewachsen sind, brachen sie zusammen und rissen die Finanzmärkte mit. Es war der Beginn der weltweiten Finanzkrise, die einige Jahre später auch die sogenannte Griechenland-Krise auslöste. Auch in Spanien geschah das gleiche, wie in den USA.

Die Krise von 2008 ist keineswegs ausgestanden, bloß weil die Medien nicht mehr über sie berichten. Sie ist nur übertüncht worden, indem die Zentralbanken seitdem tausende von Milliarden in die Finanzmärkte gepumpt haben und die Zinsen praktisch auf Null gesetzt haben.

Das wäre so, als wenn man einen Riss in der Wand eines Hauses zuspachtelt, übermalt und dann behauptet, es gäbe den Riss nicht mehr. Aber der Riss ist noch da, vergrößert sich und gefährdet irgendwann das ganze Haus.

Die Gelder, die die Zentralbanken in die Märkte gepumpt haben, mussten irgendwo hin. Sie kamen nicht in der Realwirtschaft und schon gar nicht bei Löhnen und Gehältern an. Ddie Gelder landeten bei Banken und Hedgefonds, die nun irgendetwas damit anfangen mussten. Und so entstand eine Inflation bei Aktien und Immobilien. Man spricht da jedoch nicht von „Inflation“, sondern von einer Blase. Letztlich ist es vom Wirkmechanismus aber das gleiche.

Die Frage ist also, ob die Situation schon so dramatisch ist, dass wir in Deutschland eine Krise, ein Platzen der Blase, befürchten müssen?

Vergleichen wir die Situation mal mit anderen Immobilienkrisen in der Vergangenheit.

In Spanien stiegen die Preise in den vier Jahren von 2003 bis 2007 um ca. 2/3, also fast 70%, an. Dann sanken sie in 2008 leicht, um danach fünf Jahre im freien Fall fast auf das Niveau von 2007 abzustürzen.

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/427279/umfrage/haeuserpreisindex-fuer-spanien-jahresdurchschnittswerte/

In den USA stiegen die Preise von 2002 bis 2006 um fast 60%, 2007 und 2008 waren sie fast stabil, danach sind sie aber zwei Jahre im freien Fall gewesen und erst nach fünf Jahren hatten sie den Tiefpunkt erreicht. Die Preise waren im Ergebnis um 30-40% gefallen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltfinanzkrise#/media/Datei:Case-Shiller_National_Home_Price_Index.svg

Und in Deutschland heute? Wir sehen einen Anstieg von ca. 20% innerhalb von vier Jahren von 2014 bis 2018 und auch in der Periode 2015 bis 2019 wird es so bleiben, wenn die Prognosen einer Wertsteigerung von 5% für 2019 eintreffen. Es sind also nicht so dramatische Zahlen, wie in Spanien oder den USA vor 12 Jahren, aber Deutschland steht in der globalisierten Welt nicht alleine da. Mit der Krise 2008 hatte Deutschland nichts zu tun, wurde aber trotzdem schwer getroffen.

Quelle: https://www.immobilienscout24.de/immobilienbewertung/ratgeber/immobilienindex/preisentwicklung-wohnungen.html

Und wenn man die Entwicklungen auf den Aktienmärkten und den Immobilien weltweit betrachtet, dann haben wir eine schlimmere Situation, als 2008. Damals waren es einige wenige Länder, in denen sich große Immobilienblasen gebildet hatten. Heute haben wir zwar keine so große Blase, zumindest in Deutschland, aber dafür ist es eine weltweite Blase und sie betrifft nicht nur Immobilien, sondern auch Aktien.

Der Spiegel freut sich jedoch über die Entwicklung und titelt „Ungebremster Immo-Boom – Preise für Häuser und Wohnungen steigen kräftig„. Die Einleitung ist nicht weniger euphorisch:

„Die Trendwende am Immobilienmarkt lässt auf sich warten: Die Preise für Häuser und Wohnungen steigen auch 2019 rasant weiter.“

Schlimm, wenn ein Redakteur weder die Geschichte kennt, noch etwas von (Finanz-) Wirtschaft versteht.

Warum diese Entwicklung so gefährlich ist, habe ich hier aufgezeigt und jeder, der einen Taschenrechner bedienen kann, kann es nachprüfen.

Die Medien versuchen uns immer zu erzählen, dass Wirtschaft etwas mit Psychologie und Begeisterung zu tun hätte. Das stimmt aber nur zum Teil und nur vorübergehend. Jede Krise, jede geplatzte Blase der Vergangenheit, hat gezeigt, dass es am Ende bei Wirtschaft nur um nackte Zahlen geht und die kann man mit den Grundrechenarten und einem Taschenrechner leicht überprüfen.

 


Thomas Röper – www.anti-spiegel.ru

Thomas Röper, Jahrgang 1971, hat als Experte für Osteuropa in verschiedenen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet, bevor er sich entschloss, sich als unabhängiger Unternehmensberater in seiner Wahlheimat St. Petersburg niederzulassen. Er lebt insgesamt über 15 Jahre in Russland und betreibt die Seite  www.anti-spiegel.ru. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Thomas Röper ist Autor des Buches „Vladimir Putin: Seht Ihr, was Ihr angerichtet habt?“


Ad
Ad

Jetzt eintragen und News kostenlos per E-Mail erhalten:

Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad
Ad