Brandstifter Maas - Collage - Bild Heiko Maas: By Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0, Link
Politik

Maas, Medien und die Lügen über Atombomben in Deutschland

27. November 2019

Der deutsche Außenminister hat sich gegen den Abzug der US-Atombomben aus Deutschland ausgesprochen. Das steht im Widerspruch zu einem Bundestagsbeschluss und dem Wunsch der Mehrheit der Deutschen. Besonders haarsträubend ist jedoch seine Begründung.

Bei den US-Atombomben in Deutschland hört bei Politik und Medien der Spaß auf. Deren Abzug zu fordern, käme ihnen nie in den Sinn und bei dem Thema wird auch gerne unvollständig berichtet. Kein Thema zeigt so deutlich wie dieses, dass Deutschland nur ein besetzter Vasallenstaat, eine Kolonie der USA ist.

Diese drastische Formulierung ist nicht übertrieben, denn ein souveräner Staat könnte anderen Staaten verbieten, gegen seinen Willen Atomwaffen auf seinem Gebiet zu stationieren. Deutschland kann das jedoch nicht tun. Das ist keine böse Verschwörungstheorie von mir, denn es gibt einen Beschluss des Bundestages aus dem Jahre 2010, in dem die Bundesregierung aufgefordert wurde, sich „gegenüber den amerikanischen Verbündeten mit Nachdruck für den Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland einzusetzen„.

Der Beschluss gilt bis heute, nur geschehen ist das nie.

Angeblich sind Bundestagsbeschlüsse für die Bundesregierung bindend. Wenn sich Bundesaußenminister Maas nun also gegen den Abzug der Atomwaffen aus Deutschland ausspricht, dann setzt er sich über einen bindenden Beschluss des Bundestages hinweg. Die USA haben sich ohnehin nie dafür interessiert, was das Parlament ihres Vasallen Deutschland da beschlossen hat. Wozu auch? Die Bundesregierung hat sich ja selbst nie daran gehalten und von den USA den Abzug gefordert.

Und genau darin liegt die Begründung für meine Formulierung, dass Deutschland ein „Vasall oder eine Kolonie der USA“ ist. Wäre Deutschland souverän und unabhängig, dann könnte es den Abzug der Atomwaffen ultimativ fordern, wozu die Regierung nach dem Bundestagsbeschluss sogar verpflichtet wäre. Nur tut die Regierung das nicht, weil sie weiß, dass die Amerikaner sie auslachen würden.

Das beste daran ist, dass die USA Deutschland auch noch dafür bezahlen lassen, dass die USA Waffen in Deutschland stationiert haben, die sie laut Bundestagsbeschluss und laut des Wunsches der Mehrheit der Deutschen längst abziehen sollten.

Es ist Aufgabe der Medien, die Menschen in Deutschland von diesen Tatsachen abzulenken, zumal die Mehrheit der Deutschen ohnehin für den Abzug der Atomwaffen aus Deutschland ist. Wenn die Medien dann noch berichten würden, dass der Bundestag das schon lange verbindlich gefordert hat, dieser Beschluss aber sowohl der eigenen Regierung, als auch den USA am Allerwertesten vorbeigeht, dann könnte das ja bei den Menschen unerwünschte Fragen hervorrufen. Daher tun die Medien in Deutschland alles, um von diesem Thema abzulenken, wenn sie denn gezwungen sind, über die Atomwaffen zu berichten. Das habe ich vor einiger Zeit hier aufgezeigt.

Außenminister Maas war vor einigen Tagen in Japan und hat dort auch Hiroshima besucht. Dabei hat er sich gegen den Abzug der Atombomben aus Deutschland ausgesprochen. Im Spiegel heißt es dazu:

„Bundesaußenminister Heiko Maas hat sich bei einem Besuch im japanischen Hiroshima für nukleare Abrüstung eingesetzt, sich gleichzeitig aber gegen einen einseitigen Abzug der Atomwaffen aus Deutschland ausgesprochen. „Es nützt nichts, wenn Atomwaffen von einem Land in das andere verschoben werden. Wenn sie verschwinden sollen, dann sollen sie überall verschwinden“, sagte der SPD-Politiker zu entsprechenden Forderungen auch aus seiner eigenen Partei.“

Zunächst einmal hat Maas damit Unrecht und ich bin sicher, dass er das auch selbst weiß. Es gibt atomwaffenfreie Zonen auf der Welt, etwa in Lateinamerika, Afrika oder auch der Antarktis, die sehr wohl zur Sicherheit beigetragen und Deutschland hat sich zum Beispiel auch immer für die atomwaffenfreie Antarktis eingesetzt. Wenn Maas nun behauptet, eine solche atomwaffenfreie Zone in Europa „nützt nichts„, dann ist das objektiv nicht wahr.

Zumal Deutschland doch – mit Unterstützung von Maas – sonst gerne vorne dabei ist, wenn es darum geht, alleine die Welt zu retten. Energiewende und Klimapaket sind deutsche Erfindungen, auf die unsere Nachbarn mit ungläubigem Staunen blicken. Aber Medien und Regierung erklären den Deutschen, dass sie mit diesen Maßnahmen die Welt rettet würden. Und viele Deutsche glauben das auch und sind begeistert dabei, wenn es darum geht, für diese Dinge auch zusätzliches Geld bereitzustellen, obwohl die deutschen Maßnahmen alleine definitiv keinen messbaren Effekt auf das Klima haben.

Aber bei den Atomwaffen gilt diese Regel nicht, da „nützt es nichts“, wenn die Atombomben aus Deutschland abgezogen werden. Und jeder Politiker, der den Menschen etwas von einer atomwaffenfreien Welt erzählt, hält seine Zuhörer für Vollidioten. Die Welt wird niemals wieder atomwaffenfrei sein, solange es Menschen gibt. Wenn morgen alle Länder die Atomwaffen abschaffen würden, gibt es keine Garantie, dass nicht irgendwer trotzdem heimlich welche behält, um sich einen Vorteil zu verschaffen. In der Menschheitsgeschichte gibt es kein Beispiel dafür, dass eine einmal entwickelte Waffe wieder abgeschafft worden wäre. Die Diskussion über eine atomwaffenfreie Welt soll lediglich naive Menschen beruhigen, aber niemand glaubt daran, dass es sie geben wird, solange es Menschen gibt.

Und das weiß auch Herr Maas, daher sind seine Äußerungen eine Beleidigung für jeden denkenden Menschen, wenn er den Abzug der US-Atombomben aus Deutschland von der weltweiten Abschaffung der Atomwaffen abhängig macht. Im Klartext sagt er damit: „Die Atombomben bleiben ewig in Deutschland!“

Und der Spiegel bleibt seiner Rolle als US-Propagandist treu, denn er verschweigt seinen Lesern den Bundestagsbeschluss aus dem Jahre 2010. Stattdessen erzählt der Spiegel seinen Lesern folgendes:

„Linke und Grüne setzen sich für den Abzug der auf dem rheinland-pfälzischen Fliegerhorst Büchel stationierten Atomwaffen ein. Im Bundestagswahlkampf 2017 hatte sich aber auch der damalige SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz dafür starkgemacht und diese Forderung später wiederholt.“

Das Thema Atombomben wird auch von allen anderen Medien so behandelt und sogar die Geschichtsschreibung wird bereits in diese Linie eingebunden. So hat zum Beispiel der NDR über die Reise von Maas nach Hiroshima und über das Gedenken an den ersten Abwurf einer Atombombe berichtet. Dabei hat der NDR das Kunststück fertig gebracht, in dem drei Minuten langen Bericht die USA, die die Atombombe eingesetzt haben, nicht ein einziges Mal zu erwähnen.

Im April hat das russische Außenministerium berichtet, dass japanische Kinder in der Schule zwar etwas über die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki lernen, aber dass in japanischen Schulbüchern nicht erwähnt wird, wer die Bomben auf ihr Land abgeworfen hat. Ich habe kein japanisches Schulbuch und kann das nicht überprüfen, aber es ist für mich glaubhaft, denn auch in Deutschland gibt es die Tendenz, die USA in dem Zusammenhang möglichst wenig oder am besten gar nicht zu erwähnen, wie der Bericht des NDR zeigt.

Aber mit dem NDR ist es nicht getan. Wer auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung nach Hiroshima sucht, erlebt ähnliches: Die USA werden im Zusammenhang mit den Atombomben so wenig wie möglich erwähnt. In einem Artikel mit dem Titel „Trauma und Stadtplanung – Der Wiederaufbau von Tokio und Hiroshima nach dem Zweiten Weltkrieg“ über die Zerstörung japanischer Städte im Zweiten Weltkrieg und ihren Wiederaufbau werden die Atombomben mehrfach erwähnt, die USA aber kein einziges Mal. Und in einem Artikel mit dem Titel „Nukleare Nichtverbreitung, Rüstungskontrolle und Abrüstung“ werden die Atombombenabwürfe erwähnt, aber wieder ohne Nennung der USA. Die tauchen im Text erst auf, als es um das Wettrüsten im Kalten Krieg geht. Und in dem Artikel mit der Überschrift „Hiroshima: Eine Chronik“ wird in der Einleitung ausführlich über die Atombombenabwürfe berichtet, aber wieder, ohne die USA zu nennen. Die tauchen erst ganz am Ende des Artikels im Zusammenhang mit den Atombomben auf.

Das war nur eine Auswahl. Und die Bundeszentrale für politische Bildung hat großen Einfluss darauf, was in den deutschen Schulbüchern steht und was die Kinder über Geschichte lernen.

Und wenn es um den Grund für die Atombombenabwürfe geht, wird in Geschichtsbüchern die US-Kriegspropaganda aus den 1940er Jahren von der Bundeszentrale für politische Bildung unhinterfragt übernommen, wie man in dem Artikel „Der Zweite Weltkrieg – Von Pearl Harbor bis Hiroshima“ lesen kann:

„Bei der Einnahme der beiden strategisch wichtigen japanischen Heimatinseln Iwo Jima und Okinawa im ersten Halbjahr 1945 verloren die USA mehr als 30.000 Soldaten. Eine Eroberung der Hauptinsel hätte wahrscheinlich ein Vielfaches an amerikanischen Opfern gefordert, zumal Tausende von japanischen Kamikazekämpfern für Selbstmordaktionen in Flugzeugen und Booten bereit standen. Der US-Generalstab ging damals von bis zu 500.000 gefallenen und verwundeten GIs aus. Das wollte Truman unter allen Umständen verhindern. Während der Potsdamer Konferenz forderte er in der „Potsdamer Erklärung“ die japanischen Streitkräfte zur bedingungslosen Kapitulation auf. Die Alternative sei „die sofortige und völlige Zerstörung“. Als das Kaiserreich trotzdem nicht einlenkte, ordnete der US-Präsident den Einsatz der Atombombe an.“

Es wird so dargestellt, als hätten die USA keine Wahl gehabt und seien zum Einsatz der Atombomben gezwungen gewesen. Und es entsteht sogar der Eindruck, dass dabei Menschenleben gerettet worden seien. Also: Die Atombomben waren demnach etwas Gutes.

All das ist nicht wahr, denn es wird verschwiegen, dass die japanische Regierung spätestens im April 1945 einen Frieden angeboten hat und zu sehr weitgehenden Zugeständnissen bereit war. Die USA haben jedoch abgelehnt und eine bedingungslose Kapitulation gefordert. Man hätte spätestens im Frühsommer 1945 einen Waffenstillstand haben und zehntausende Menschenleben retten können. Aber die USA wollten nicht.

Und das hatte zwei Gründe, die beide im aufziehenden Kalten Krieg begründet lagen: Erstens wollten die USA Japan besetzen, um eine Basis vor der Tür der Sowjetunion im Fernen Osten zu haben und zweitens wollten sie der Sowjetunion diese mächtigste Waffe der Welt vorführen und ihre Stärke demonstrieren. All das ist heute unter Historikern unstrittig, aber die Bundeszentrale für politische Bildung, der NDR und andere Publikationen für das „dumme Volk“ verschweigen diese Dinge.

Nur wie souverän ist Deutschland, wenn die USA bestimmen, welche Waffen sie in Deutschland stationieren und sogar Beschlüsse des deutschen Parlaments ignorieren können? Und wie souverän ist Deutschland, wenn nicht nur die Medien, sondern auch die offizielle Geschichtsschreibung der US-Kriegspropaganda aus den 1940er Jahren folgt, anstatt den Erkenntnissen der Historiker?

Da ist die Witzfigur Heiko Maas nur ein weiterer Baustein in diesem Schmierentheater.

Apropos Heiko Maas. Der deutsche Außenminister, der von sich sagt, er sei „wegen Auschwitz“ in die deutsche Politik gegangen und der bei jeder Gelegenheit seine tiefste Verbundenheit mit Israel betont, ist gerade von der Jerusalem Post als „Anti-Israelischer deutscher Außenminister“ tituliert worden, weil Deutschland die „Frechheit“ besessen hat, in der UNO in der Frage der illegalen israelischen Siedlungen in besetzten Palästinensergebieten gegen Israels Wünsche abzustimmen. Und die deutschen Diplomaten bei der UNO unterstehen nun einmal dem Außenministerium. Man sieht: Auch ausgiebiges Arschkriechen (sorry für das harte Wort) schützt vor einem Shitstorm nicht.

Aber Herrn Maas stört das nicht, er wird weiterhin als Rektalforscher der USA tätig sein.


Thomas Röper – www.anti-spiegel.ru

Thomas Röper, Jahrgang 1971, hat als Experte für Osteuropa in verschiedenen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet, bevor er sich entschloss, sich als unabhängiger Unternehmensberater in seiner Wahlheimat St. Petersburg niederzulassen. Er lebt insgesamt über 15 Jahre in Russland und betreibt die Seite  www.anti-spiegel.ru. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Thomas Röper ist Autor des Buches „Vladimir Putin: Seht Ihr, was Ihr angerichtet habt?“