Politik

Mimimi aus dem Elfenbeinturm: Anja Reschke (NDR) über Gerechtigkeit, GEZ, Wutbürger und Fake News

21. November 2018

Es rührt sich anscheinend schon etwas bei den Öffentlich-Rechtlichen. Der Druck von der Straße kommt doch endlich einmal in den Elfenbein-Bastionen der gut besoldeten Volkserzieher an. NDR-Journalistin Anja Reschke, die sicher auch oft unfair angegangen, aber auch oft für ihre Selbstgerechtigkeit zu Recht kritisiert wird, nahm in einem schriftlichen Interview Stellung zu interessanten Fragen.

Das lange Interview ist lesenswert. Es wird deutlich, dass Frau Reschke sehr bedacht und überlegt formuliert hat. Sie hat sich auch spürbar um einen zurückhaltenden Ton in Bezug auf die Leute bemüht, die als „Wutbürger“, „besorgte Bürger“ oder „Reichsbürger“ in dem Interview adressiert werden. Eine etwas krude Aufzählung, die allein schon verdeutlicht, dass die abgehobene Kaste der Mainstreamjournalisten überhaupt nicht begreift, von wem sie redet.

Das Interview führt Jakob Buhre. Er spricht einige Themen an, zu denen Frau Reschke Stellung bezieht… oder auch gekonnt drumherum redet. Manches ist sehr hübsch in der unabsichtlichen Selbst-Bloßstellung. Greifen wir einmal ein paar Passagen aus dem langen Interview heraus.

Gerechtigkeit

Auf die Frage, wie Frau Reschke dazu steht, dass die Anzahl der Bürger wächst, die sich „ungerecht behandelt fühlen“ und ob das Ihrer Meinung nach nur eine „gefühlte Ungerechtigkeit“ sei, definiert Frau Reschke Gerechtigkeit als „letztendlich immer ein Gefühl“, gefolgt von schöngeistigen Betrachtungen.

Frau Reschke sollte sich einmal an die Staatsbürgerkunde in der Schule erinnern. Recht, Rechtsprechung und Gerechtigkeit gehören zu den Grundpfeilern eines Staates. Die Göttin Justitia ist eine der wichtigsten und hat als Attribute verbundene Augen, weil sie „blind“, d.h. ohne Ansehen der Person, unparteiisch richtet.  Die Waage, mit der das Für und Wider gewogen und jedem das Seine gerecht zugemessen wird (suum quique) und ein Schwert, mit dem sie mit der nötigen Härte das Recht und die Gerechtigkeit schützt.

Ohne Recht und Gesetz ist kein Staat zu machen. Die himmelschreiende Ungerechtigkeit, die heute schon zum ganz normalen Lebensgefühl des Normalbürgers gehört, läutet leider Gottes möglicherweise das Ende des Rechtsstaates ein. Gerechtigkeit ins Reich des beliebigen, persönlichen Empfindens und Gefühls als quasi „Einbildung“ zu verweisen, ist staatszersetzend.

Frage:Wir sprachen ja über Gerechtigkeit: Ich persönlich habe mich vor einer Weile gefragt, ob es gerecht ist, wenn eine Ex-Intendantin einer Rundfunkanstalt eine fünfstellige Betriebsrente bekommt, während ein Bürger für den Rundfunkbeitrag so weit gepfändet wird, dass er am Ende in den Knast geht, sozusagen für die Altersvorsorge von Leuten, die ohnehin schon sehr hohe Gehälter bezogen haben.“

Reschke: „Populistisch zugespitzt. Man geht ja nicht in den Knast, weil man die Gebühr für die Altersvorsorge der Intendanten nicht bezahlt hat. Man bezahlt den Rundfunkbeitrag doch in erster Linie nicht für die Altersvorsorge, sondern für das Programm. (…)“

Frage:Die Rückstellungen werden heute gemacht, in den Jahresabschlüssen der Sender stehen Millionenbeträge für die Renten der Intendanten.“
Reschke: „Aber das heißt nicht, dass jemand in den Knast geht, weil er die Rente des Intendanten nicht bezahlen will. Das ist eine unfaire Verkürzung. (…)“

Frage: „Der Unterschied ist ja: Spiegel und SZ bezahle ich, wenn ich möchte, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bezahle ich, weil ich es muss. (…)“

Reschke: „Redakteure verdienen laut Tarifvertrag, den ja Gewerkschaften aushandeln, zum Beispiel zwischen 3.524 und maximal 9.908 Euro monatlich. Das ist eine große Spanne.“

Was sagt uns das? Es sagt uns, dass die unterste Gehaltsstufe beim NDR offenbar bei 3.524 Euro liegt, also im Prinzip alles über Praktikant. Nun, lieber Leser, darunter würden Sie doch auch keinen Finger krumm machen, oder?

Flucht aus den etablierten Medien / neutrale Berichterstattung

Frau Reschke sieht ihre Aufgabe offenbar darin, durch Berichterstattung doch dem ein oder anderen (zu) zeigen, dass man Dinge auch aus einem anderen Blickwinkel betrachten kann“. Sie sagt aber ganz offen etwas später, dass sie neutrale Berichterstattung für eine „fixe Idee halte“, da jeder Journalist mit seinen persönlichen Einstellungen an die Sache herangehe. Wie wahr! Danke, Frau Reschke, es wäre uns so nicht aufgefallen.

Es wäre dem „besorgten Wut- & Reichsbürger“ aber schon einmal geholfen, wenn Fakten nicht einfach unterschlagen würden, falsch dargestellt oder schlicht erfunden. Der Journalist mag ja eine Meinung dazu haben. Aber das Vertuschen, Verzerren, Verschweigen, Manipulieren und Erfinden verstimmt die Leser und Zuhörer enorm.

Überdies scheint Frau Reschke ziemlich naiv zu sein, muss man leider sagen, wenn man ihr nicht gerade unterstellen will, dass sie sich absichtlich dumm stellt. Auf die Frage, wie wichtig es sei, dass die Bevölkerung weiß, in welchen „Thinktanks“ Journalisten Mitglieder sind, sagt sie doch glatt: Ich bezweifle aber stark, dass die Mitgliedschaft in irgendwelchen Thinktanks wirklich einen so großen Einfluss auf das Programm hat, wie in manchen Kreisen gemutmaßt wird. Die Strippenzieher im Hintergrund, das ist mir zu verschwörungstheoretisch.“

Ach, tatsächlich?

 

 

Kritik, Zuhören und Überzeugungsarbeit

Frage: „Sie haben sich schon mehrfach im Dialog Ihren Kritikern gestellt. Gab es Situationen, wo Sie bei Ihrem Gegenüber etwas ‚ausrichten‘ konnten?“
Reschke: „Es ist sehr schwer, jemanden, der eine feste politische Überzeugung hat, dazu zu bringen, zumindest zuzuhören und eine andere Sichtweise zu akzeptieren.“

Vielen Dank, Frau Reschke, schön gesagt. Ist Ihnen schon einmal der Gedanke gekommen, dass das auch auf Sie zutrifft?

Frage: „Wurden Sie in solchen Mails mal von der Gegenseite überzeugt?“
Reschke: „Überzeugt nicht, aber für mich sind diese E-Mails total wichtig, weil ich dadurch meine Argumente schärfe, überdenke oder auch mal verwerfe.“

Na also. Frau Reschke ändert ihre Überzeugungen um keinen Millimeter, sie feilt lediglich an Strategie und Taktik.

Spaltung, Fakten und Fake News

Frage: „Welche Spaltung halten Sie in Deutschland für gefährlicher, zwischen arm und reich oder zwischen politisch rechtem und linkem Denken?“
Reschke: „Ich habe da eine dritte Antwort: Für mich ist im Moment die gefährlichste Spaltung, die zwischen Fake-News und Fakten. Die führt dazu, dass wir keine gemeinsame Grundlage mehr haben, auf der wir diskutieren. Wahrheit gilt nichts mehr, weil jeder sich seine gefühlte Wahrheit zusammenschraubt.“

Soso, sehr interessant. Damit meint Frau Reschke sicherlich die Fake News, die allein Ihr Sender schon auf die Menschheit losgelassen hat. Eine kleine Auswahl:

https://uebermedien.de/28954/einmal-skandal-und-zurueck-rechercheverbund-in-der-kritik/

https://www.extremnews.com/berichte/weltgeschehen/3d66165de93b3c6

https://www.nachdenkseiten.de/?p=41011

https://luegenpresse2.wordpress.com/2015/11/20/politiker-log-uns-anpresse-machte-mit/

https://rsnitsch.wordpress.com/2018/04/23/ndr-rundfunkrat-verteidigt-fake-news-zu-afrikanischen-migranten/

http://www.pi-news.net/2017/11/ndr-giftet-gegen-pi-news/

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ndr-umfrage-fuer-frauen-sieht-sicherheitslage-anders-aus-14859582.html

Ein Schmankerl noch zum Schluss. Wunderbar:

Frage: „Zum Schluss: Fühlen Sie sich selbst manchmal ungerecht behandelt, insbesondere von Kritikern? Oder bewegt sich das alles noch im Rahmen?“
Reschke: „Man fühlt sich immer dann ungerecht behandelt, wenn einem untergeschoben wird, man würde dieses oder jenes meinen, für dieses oder jenes stehen, auch wenn das gar nicht der Fall ist.“

Tja, Liebe Frau Reschke, dann wissen Sie ja, wie es den verzweifelten Bürgern ergeht, wenn sie auf die Straße gehen, den Mund aufmachen, die Missstände benennen und protestieren. Wenn sie sich bedroht, ungerecht behandelt und ausgeplündert fühlen und dafür postwendend von den Medien als „Populisten“, „böse Rechte“ oder gar „Nazis“ beschimpft werden.

 

Und Jesus sprach:
„Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders,
aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?“


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