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Schulabschluss „to go“ für Flüchtlinge?

21. September 2017

Jahrzehnte wurde Deutschland vom dreigliedrigen Schulsystem aus Hauptschule, Realschule und Gymnasium geprägt. Dieses bewährte System wurde von linker Schulpolitik das Wasser abgegraben und vielerorts gibt es schon heute nur noch Ganztagsschulen und Gymnasien. Was sich nun jedoch in Kiel ereignet hat, ist milde gesagt ein „kreativer“ und einmaliger Eingriff in die Bildungspolitik.

Sie kennen das sicher: Kurz bevor man einen Termin wahrnehmen will, schaut man gerade beim Bäcker seiner Wahl vorbei und kauft sich einen Kaffee „to go“, also zum Mitnehmen. Das ist praktisch und man ist für den anstehenden Termin wieder fit. Das „Mitnahmeprinzip“ eignet sich für heiße Getränke, aber wäre das im Schulwesen ebenfalls denkbar?

Zur Erinnerung: Schule ist das beamtenstaatlich und bürokratisch durchgeregelte System, in dem es nur äußerst selten Ausnahmen von der Regel gibt. Wo käme man denn auch sonst hin? Deshalb galt Jahrzehnte der eherne Grundsatz: 10 Jahre Regelzeit für einen Hauptschulabschluss, wobei besonderes Augenmerk auf den regelmäßigen Schulbesuch und die Einhaltung der maximalen Fehlstunden der Schüler geachtet wurde. Wenn ein Schüler dort Defizite aufwies, wurde er schlicht und einfach nur mit einem sogenannten Abgangszeugnis nach der neunten Klasse abgefertigt, Probleme auf dem Arbeitsmarkt inklusive!

Nun haben wir Deutsche aus der Flüchtlingskrise so einiges gelernt, zum Beispiel, dass wir Not und Elend im eigenen Land ebenso wie Missstände im Schulwesen unnötig ertragen mussten, denn das Geld war immer da und wird nun eben für Flüchtlinge ausgegeben. Weiterhin durften wir lernen, dass eigentlich nichts fix und in Stein gemeißelt ist. Dies haben uns Beamte und die Staatsräson einfach immer nur vehement so lange erzählt, bis wir es dann irgendwann geglaubt haben.

So kam es in der Schleswig Holstein zu einem absoluten Novum. Eine Klasse von 24 Flüchtlingen erhielt nach nur siebenwöchiger Lernphase (und einem „erfolgreich“ absolvierten Schuljahr) den Hauptschulabschluss zuerkannt. Dies ist zumindest interessant, wenn man die jüngsten Zahlen des Bundesamtes für Migration (BAMF) berücksichtigt, nach denen die Integrationskurse mit verpflichtendem Deutschkurs einer Erfolgsquote von weniger als 50% aufweisen!

Wenn man davon ausgeht, dass es sich bei Flüchtlingen generell um sogenannte „Schutzbedürftige“ handelt, hat das jeweils aufnehmende Land eine Verpflichtung zur Qualifikation dieser Menschen. Dies ist natürlich ein weiteres Argument für ein penibles Screening und folglich einer genauen Selektion der Menschen, die wir als Flüchtlinge akzeptieren und aufnehmen – denn eine Aufnahme ist deshalb immer mit erheblichen finanziellen Zuwendungen verbunden.

Dieser Hauptschulabschluss „to go“ ist an sich nur eine Randnotiz, bietet aber Sprengkraft. Der Grundsatz der Gleichbehandlung von denen, „die schon länger hier sind“ und „denen, die neu hier sind“ wird hier keinesfalls gewahrt.

Ebenso könnte man sich fragen, was ein Flüchtling nun eigentlich mit einem deutschen Schulabschluss in seiner Heimat anfangen so? Dies muss ja die Zukunftsperspektive sein: die Rückführung der Flüchtlinge in ihre befriedete Heimat. Wären deshalb nicht Unterweisungen in praktischen Tätigkeiten sinnvoller, deren Ausübung diese Menschen dann in ihrer Heimat auch ernähren könnten?

Weiterhin drängt sich hier ein weiterer Gedanke auf: Warum eigentlich sollten dann deutsche Schüler überhaupt noch am Unterricht teilnehmen, wenn es den Schulabschluss auch ganz einfach „zum Mitnehmen“, innerhalb von 7 Wochen gibt?

Da wäre es ja auch denkbar, dass Selbstständige ihre Kinder einfach in ihrem Unternehmen mitarbeiten lassen, diese quasi „to go“ im beruflichen Alltag qualifizieren und dann kurz in die Prüfungsphase schicken, damit diese dann einen Schulabschluss erwerben können!

Konsequent zu Ende gedacht, könnte das Beispiel von Neumünster jedoch der Start einer sehr bedenklichen Entwicklung sein. Wäre selbiges nicht für das Abitur denkbar? Könnte Flüchtlinge nicht auch ein Abitur „to go“ erwerben? Oder wie sieht es mit einem Studium aus? Wie wäre es mit einem Bachelor- oder Master-Abschluss ohne Studium?

Sollte sich diese Entwicklung wirklich einstellen, könnte man fast seinen Kindern den Rat geben, sich doch als Flüchtling registrieren zu lassen…

 

Bild: flickr.com